Die Visualisierung von Varianten in der digitalen Textedition: alte methodische Debatten im neuen Licht der digitalen Medien

Résumé : Die Visualisierung von Forschungsdaten ist eine aktuell vieldiskutierte Herausforderung der Digital Humanities. Diese Herausforderung entsteht, weil neue Methoden und Tools in den geisteswissenschaftlichen Disziplinen unüberschaubare Mengen an Forschungsdaten entstehen lassen: deren anschauliche Visualisierung soll eine Brücke schlagen zwischen den in Datenbanken abgelegten 'Rohdaten' und ihrer Interpretation in Form wissenschaftlicher Prosa. Die Frage der Visualisierung ist im Zuge der Digitalisierung aber auch für die Textedition von essentieller Bedeutung. Sie betrifft dort neben der Textdarstellung, der Navigation und den Mitteln der Texterschließung ganz zentral auch die Frage nach der Repräsentation von alternativen Fassungen eines Textes oder lokalen textuellen Varianten. Technisch möglich und aus wissenschaftlicher Sicht häufig erstrebenswert, schafft die Repräsentation von mehreren Manuskript- und/oder Druckfassungen neue Herausforderungen: alte methodische Fragen erscheinen in neuem Licht, neue technische Möglichkeiten müssen theoretisch erfasst werden: Inwiefern unterscheiden sich die Möglichkeiten der Repräsentation von Varianten im elektronischen Medium grundsätzlich von denen im Printmedium, und inwiefern kann oder muss man die Repräsentation von Text und Varianten dadurch neu denken? Wie verschieben sich die Grenzen von Dokumentation, Visualisierung und Interpretation, aber auch von Text, Apparat und Kommentar, wenn einerseits alle Varianten als gleichwertig repräsentiert werden können, andererseits die Repräsentation selbst als interpretatorischer Akt deutlich wird? Kann das digitale Medium möglicherweise traditionelle Konfliktlinien auflösen, die bis auf den editions¬wissenschaftlichen ‚Methodenstreit' des 19. Jahrhunderts zurückgehen, sowie Lösungen für Probleme anbieten, die das anvisierte Zielpublikum oder die Hierarchisierung von Text und Kommentar betreffen? Diesen Fragen möchte der Beitrag aus wissenschaftshistorischer und editions-wissenschaftlicher Perspektive nachgehen, indem ältere und neuere Überlegungen zur Visualisierung von Varianten diskutiert sowie verschiedene konkrete Lösungsansätze im Bereich der digitalen Textedition vorgestellt werden. Ziel des Beitrags ist es nicht zuletzt, mit der mehrere Disziplinen übergreifenden Analyse der vorgestellten Leitfragen eine Debatte über neuere Entwicklungen in einem äußerst dynamischen Bereich anzuregen, den wir als philologische Schnittstelle von sprach- und literaturwissenschaftlicher Forschung verstehen und dessen grundlegende Bedeutung für die Textwissenschaften zu oft aus dem Blick gerät.
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Cristina Albizu, Hans-Jörg Döhla, Lorenzo Filipponio Marie-Florence Sguaitamatti, Harald Völker Vera Ziswiler, Reto Zöllner. Variante et variété. Actes du VIe Dies Romanicus Turicensis, Zurich, 24-25 juin 2011, Edizioni ETS, pp.189-206, 2013, 978-884673016-9
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Contributeur : Schöch Christof <>
Soumis le : jeudi 27 février 2014 - 07:00:05
Dernière modification le : jeudi 27 février 2014 - 07:59:55
Document(s) archivé(s) le : mardi 27 mai 2014 - 10:36:38

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Christof Schöch, Johanna Wolf. Die Visualisierung von Varianten in der digitalen Textedition: alte methodische Debatten im neuen Licht der digitalen Medien. Cristina Albizu, Hans-Jörg Döhla, Lorenzo Filipponio Marie-Florence Sguaitamatti, Harald Völker Vera Ziswiler, Reto Zöllner. Variante et variété. Actes du VIe Dies Romanicus Turicensis, Zurich, 24-25 juin 2011, Edizioni ETS, pp.189-206, 2013, 978-884673016-9. <hal-00945358>

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