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Conference papers

« Allianz-Arena, Orange Vélodrome & Co: zum Werbepotenzial kommerzieller Namen von Sportplätzen im deutsch-französischen Vergleich »

Résumé : Aktualität und Relevanz Der neueste Versuch, eine European Super-League einzuführen, verdeutlichte einmal mehr, dass Fußballfans meistens nur noch als bloße Konsumenten des Produkts Fußball betrachtet werden. Allerdings belegten die Reaktionen von Politikern (The Economist 2021) und von den Fans selbst, dass im europäischen Fußball andere Gesetzmäßigkeiten gelten als von Investoren angenommen. Gewinnmaximierung unter Ausschluss des sportlichen Wettbewerbs und ohne Berücksichtigung gewachsener Strukturen, Traditionen und Fankulturen scheint (noch) nicht vermittelbar (Mustroph 2021). Dass dennoch immer neue Geldquellen erschlossen werden, zeigt das wachsende Phänomen des Namensponsorings. In Deutschland trugen vor der WM 2006 nur 3 der 12 Stadien ihren ursprünglichen Namen (SPONSORs 2020). In Frankreich verkauften 4 der 10 EM-Stadien 2016 ihre Namensrechte an Sponsoren (L´Express 2016). 9 der 10 deutschen Stadien für die EM 2024 wurden bereits umbenannt (Kicker 2018). Darüber hinaus ist Fußball als gesellschaftliches Thema seit ungefähr einem Jahrzehnt auch zu einem beliebten linguistischen Gegenstand geworden, insbesondere in der Diskurslinguistik (Burkhardt 2006, Lavric et al. 2008, Schmidt 2010, Preoteasa 2017, Hauser/Meier 2018), wovon auch der populär-wissenschaftliche Blog von Simon Meier-Vieracker zeugt (https://fussballlinguistik.de/). Im Bereich der Onomastik selbst sind schon mehrere Teilaspekte von Benennungen im Fußball(-Diskurs) untersucht worden, zum Beispiel Maskottchennamen (Puccio 2019), Spitznamen von Spielern (Born 2008, Bianco 2014, Wolny 2014, Born 2015) oder auch Vereinsnamen (Stellenmacher 2009). Forschungsfrage In diesem Kontext reiht sich dieser Beitragsvorschlag in zwei Themenstellungen des Calls for Papers ein: einerseits widmen wir uns „Markierungspraktiken in [einem] Bereich außerhalb des Warenhandels im engeren Sinne“, und zwar der Benennung von Sportplätzen, insbesondere Fußballstadien, als Komponente der „Kommerzialisierung der Namenwelt“ (Bering 2007) und andererseits setzt sich die Untersuchung das Ziel, das Werbungspotenzial solcher Bezeichnungen vor dem Hintergrund der Identitätsfindung von Fußballfans, wie sie im so genannten digitalen Linguistic Landscape rekonstruiert werden kann. So gilt es hier der grundsätzlichen Frage nach dem onymischen Status dieser Benennungen zwischen Toponymen (Dräger et al. 2021) und Ökonymen (Ecckrammer/Thaler 2019) nachzugehen. Der Beitrag antwortet dann auf folgende zwei Forschungsfragen: (i) Wie wird das Werbepotenzial der Bezeichnungen von Fans wahrgenommen, insbesondere nach der Typologie von Giulianotti (2002)? (ii) Welche Rolle spielen dieselben bei der Identitätsfindung von Fußballinteressierten allgemein? Daten und Methode Der Untersuchung liegt ein an der MSH Dijon erstelltes zweisprachiges Pilotkorpus von Tweets und Instagram-Posts zugrunde. Über die API von Twitter und Instagram werden auf der Basis von Hashtags (z.B #allianzarena #orangevelodrome) und Accounts (z.B. @allianzarena_ @orangevelodrome) gesammelt, annotiert und mit Hilfe von TXM untersucht. Ziel ist es, den gesamten digitalen Diskurs zu diesen Stadien zu dokumentieren und diskurslinguistisch zu analysieren. Der kritischen Perspektive des Beitrags entsprechend werden insbesondere jene zugrundeliegenden Framing-Strategien herausgearbeitet, die Einblicke in die Akzeptanz dieser Werbeform seitens der Fans gewähren.   Zitierte Literatur Bering, Dietz (2007): Die Kommerzialisierung der Namenwelt. Beispiel: Fußballstadien. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik 35, S. 434-465. Bianco, Francesco (2014): Les surnoms de footballeurs en Italie. In: Joan Tort i Donada & Montserrat Montagut i Montagut (Hgg): Els noms en la vida quotidiana. Bercelona: Generalitat de Catalunya, S. 687-696. Born, Joachim (2008): Sobriquets, Antonomasien und Spitznamen im iberoromanischen Fußball - Anthroponomastik und Motiviertheit. In: Joachim Born & Maria Lieber (Hgg.): Sportsprache in der Romania. Wien: Praesens-Verlag, S. 156-192. Born, Joachim (2015): Piticul – Maradona din Carpaţi – Șepcile roșii: Anmerkungen zu Spitz- und Übernamen im rumänischen Fußball. In: Thede Kahl, Thede et al. (Hgg.): Romanica et Balcanica. Wolfgang Dahmen zum 65. Geburtstag. München: Akademische Verlagsgemeinschaft, S. 139-150. Burkhardt, Armin (2006): Sprache und Fußball. Linguistische Annäherungen an ein Massenphänomen. In: Muttersprache 116, S. 53-73. Dräger, Kathrin et al. (Hgg.). Toponyme. Standortbestimmung und Perspektiven. Berlin: de Gruyter. 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Document type :
Conference papers
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https://hal.archives-ouvertes.fr/hal-03343734
Contributor : Laurent Gautier Connect in order to contact the contributor
Submitted on : Wednesday, September 15, 2021 - 2:46:42 PM
Last modification on : Thursday, May 5, 2022 - 2:25:59 PM

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  • HAL Id : hal-03343734, version 1

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Laurent Gautier, Florian Koch. « Allianz-Arena, Orange Vélodrome & Co: zum Werbepotenzial kommerzieller Namen von Sportplätzen im deutsch-französischen Vergleich ». Werbende Namen, Mainzer Akademie der Wissenschaften, Sep 2021, Mainz, Germany. ⟨hal-03343734⟩

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